Nicole Razavi zu Besuch am RGD im Austausch mit Abiturienten über das Leben mit der Corona- Pandemie an den Schulen

Am Freitag, den 11. Dezember 2020, folgte die Landtagsabgeordnete der CDU, Nicole Razavi, der Einladung des Abiturkurses (Basisfach Deutsch von Herrn Klaus Kraner) ans Rechberg-Gymnasium zu kommen, um sich über die Folgen der Corona-Pandemie an Schulen mit den direkt Betroffenen auszutauschen.  
Zunächst wurde Frau Razavi vom Schulleiter herzlich begrüßt und willkommen geheißen. Sie selbst äußerte sich zu dem Brief, welchen sie vom besagten Deutschkurs erhielt, äußerst positiv und zeigte sich beeindruckt, da die Schüler reflektiert und sachlich Dinge angesprochen hatten, über die es Redebedarf im ganzen Land gibt. Weil Frau Razavi selbst einmal als Lehrerin tätig war, betonte sie, dass es ihr auch heute noch immer sehr am Herzen liege, den direkten Austausch mit Schülern zu suchen.
Das Thema, um welches es dem Deutschkurs im Brief und auch im Gespräch besonders ging, war jenes der Digitalisierung an den Schulen. Frau Razavi verwies sehr deutlich darauf, dass die aktuelle Pandemie Missstände an den Schulen beim Thema Digitalisierung aufgedeckt habe. Manche Schulen oder Landkreise seien weiter als andere, insgesamt wäre Deutschland aber ohne Zweifel weit hinter anderen Ländern, was die Ausstattung mit digitalen Medien anbelange. In welchem Umfang der Einsatz digitaler Medien generell und im Rahmen der Pandemie eine Rolle spielen sollte, war Gegenstand der Diskussionsrunde.
Zunächst hatte der Abiturkurs die Möglichkeit, direkt Stellung zu beziehen und verschiedene Punkte anzusprechen. Zu Beginn ging es um den sogenannten „Onlineunterricht“, welcher bereits im Rahmen des ersten Lockdowns stattgefunden hatte, in manchen Klassen aber auch durchgehend praktiziert wird, da Kollegen, welche zur Risikogruppe gehören, von zuhause aus unterrichten müssen. Anschaulich schilderten die betroffenen Schüler, dass - entgegen der Meinung vieler Politiker und auch Eltern - der digitale Unterricht nicht DIE Lösung für alles sei. Es wurde der hohe organisatorische Aufwand angesprochen, die Zeit, welche allein mit technischen Problemen verloren ginge und ebenso die menschliche Seite, die im digitalen Unterricht völlig fehle. Dass dies weder für Lehrer noch für Schüler auf Dauer befriedigend sein könne, wurde vom Abiturkurs besonders gut hervorgebracht. Ebenso seien die Internetverbindungen in manchen Dörfern für dauerhaften Unterricht in digitaler Form gar nicht ausgestattet. Frau Razavi konnte die angesprochenen Aspekte der Schüler gut nachvollziehen und sah es selbst so, dass „home office“ in manchen Firmen auch Vorteile bringen könnte, da Angestellte von zuhause aus arbeiten könnten und somit nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen seien. In Schulen allerdings - da waren sich Politikerin, Schüler sowie die anwesenden Lehrer einig - könne Unterricht nicht in Vollzeit digital stattfinden. Den oftmals vorgebrachten Kritikpunkt, dass Schulen nicht gut genug ausgestattet seien, um ins sogenannte „home office“ zu wechseln, wiesen Frau Razavi und auch etliche Abiturienten energisch zurück. Selbstverständlich müssen Schulen mit der Zeit gehen und digitale Medien zielführend und sinnvoll nutzen, es gehe jedoch nicht darum eine Schule komplett auf „home office“ Betrieb auszulegen. Anschaulich und überzeugend gab der Abiturkurs zu bedenken, dass man sich an eine völlige Digitalisierung - auch nach der Pandemie - ganz sicher nicht gewöhnen wolle, da der menschliche Austausch so wichtig sei. Nur im Präsenzunterricht können Fehler schnell entdeckt und behoben werden, nur im direkten Austausch können durch kurze Hinweise Probleme direkt gelöst werden und nur durch Präsenzunterricht kann GUTER Unterricht stattfinden. Ein Abiturient führte das Beispiel an, dass er im „homeschooling“ pflichtbewusst der Aufgabe nachgekommen sei, die ihm gestellt wurde, diese dann dem Lehrer eingereicht habe, welcher ihm dann leider mitteilen musste: „Alles falsch“. So etwas würde im Präsenzunterricht niemals vorkommen, da der Schüler bereits nach wenigen Sätzen und wenigen Minuten vom Lehrer auf das Problem aufmerksam gemacht worden wäre. Insofern war man sich schnell einig, dass sowohl der zeitliche Aspekt als auch der sogenannte „Aufwand-Nutzen“ Faktor und vor allem ganz klar die Menschlichkeit beim digitalen Konzept nicht gut seien. Klar wurde auch, dass es auch Fortbildungen geben müsse, um die Medien überhaupt nutzen zu können, sowohl auf Seiten der Lehrerkräfte als auch auf Seiten der Schüler. Frau Razavi bestätigte mit einem guten Beispiel, was die Abiturienten ebenfalls überzeugend auf den Punkt gebracht hatten. Cäsar ist digital nicht einfacher - im Gegenteil. Es sei gut, dass in den Klassenzimmern sowohl eine digitale Dokumentenkamera als auch ganz klassisch eine Tafel vorhanden sei. Eine Mischung - je nach Bedarf - würde optimalen Unterricht ausmachen und nicht eine radikale Umstellung auf digitale Medien. Würde man diese Forderung auf die Spitze treiben - auch hier waren sich Politikerin und Schüler einig - so brauche es gar keine Lehrer mehr. Mehr als fragwürdig wäre die Vorstellung, dass sich jeder mit Hilfe von Büchern, Internetquellen oder PC-Lernprogrammen selbst bildet. Frau Razavi legte dar, dass bei all den positiven Seiten der Technik, auch immer noch der Mensch im Mittelpunkt stehen sollte, da man zwar Faktenwissen versuchen könne zu vermitteln, durch die fehlenden Emotionen aber völlig die Menschlichkeit fehle. Des Weiteren wäre die Vorstellung von Kindern und Jugendlichen, welche den ganzen Tag am PC verbringen würden, mehr als fragwürdig. Im weiteren Verlauf der Diskussion ging es um den sogenannten „Hybridunterricht“. Schüler, welche in Quarantäne seien, könne man ja ganz einfach in den Präsenzunterricht zuschalten - soweit zumindest der Plan. Dass die Realität anders aussieht, wurde erneut von Abiturienten und von Frau Razavi angesprochen. Im Hybridmodell könne man beiden Seiten nicht mehr gerecht werden, denn würde der Lehrer nur in den Laptop reden, so würden die Schüler daheim vielleicht mehr mitbekommen und würde der Lehrer sich ums Geschehen im Klassenzimmer kümmern, so kämen die Quarantäneschüler daheim zu kurz, die dann weder etwas sehen noch etwas hören würden. Dem Abiturkurs war in Bezug auf das bevorstehende Abitur ebenfalls besonders wichtig, dass zumindest die Abschlussjahrgänge weiterhin in Präsenz beschult werden. Auch dies bestätigte Frau Razavi. Sie merkte aber auch an, dass bundesweit gesehen einige Eltern gegen dieses Offenhalten der Schulen seien, sogar die Maskenpflicht im Unterricht in Frage stellen würden und digitalen Unterricht als gute Lösung ansehen würden. Interessant sei in diesem Zusammenhang die Sicht reflektierter Schüler selbst, welche durchaus die Problematik beider Argumentationsseiten abzuwägen vermochten.  
Am Ende der Runde waren sich alle einig: Solange es absolut nötig sei, digitalen Unterricht zu machen, um die Infektionszahlen zu senken, werde man seinen Beitrag dazu leisten. Sobald das Infektionsgeschehen allerdings soweit eingedämmt sei, dass es aus medizinischer Sicht vertretbar wäre, den Unterricht in Präsenz abzuhalten, so würde man dies mit Freude begrüßen.

(Carolin Lange)