Lesung zum Thema Unterrichtsqualität und Umgang mit Heterogenität von Professor Bohl aus Tübingen am Rechberg-Gymnasium

Bereits im Jahr 2015 hielt Professor Bohl am Rechberg-Gymnasium eine Lesung im Rahmen der Kooperation zwischen der Messelberg Gemeinschaftsschule und dem Gymnasium. Diese gab wichtige Tipps für die Weiterentwicklung des kooperativen Bildungszentrums in Donzdorf. Nun, 4 Jahre später, wurde Professor Bohl aus zwei Gründen für eine weitere Lesung nach Donzdorf eingeladen. Erstens als Würdigung für das pädagogische Wirken von  Herrn Oberstudiendirektor, Franz Fischer, der im kommenden Jahr seinen wohlverdienten Ruhestand antreten wird, von sich selbst allerdings sagt, dass er den Blick bis zum letzten Arbeitstag nach vorne richten werde,um die Schule pädagogisch weiterzubringen. Der zweite Grund besteht darin, dass nun die ersten Schüler der Gemeinschaftsschulen in die gymnasiale Oberstufe aufgenommen werden könnten, was impliziert, dass die Heterogenität innerhalb der Klassen zunimmt.
Im Vortag von Herrn Bohl wurde der Schwerpunkt auf verschiedene Forschungsansätze gelegt, welche sich mit der Frage beschäftigten, wie es möglich ist, einen guten Unterricht zu gestalten und dennoch die extreme Heterogenität der Schüler zu berücksichtigen. Dass sich dies als nicht gerade einfach herausstellt, beweisen mehrebenenanalytische Modelle, die vielfältige Faktoren aufzeigen, welche die Heterogenität der Schülerschaft verstärken. Solche Aspekte wären beispielsweise das Einzugsgebiet oder die Tatsache, dass es inzwischen sehr viele verschiedene Schulmodelle gibt, die einerseits individuellere Bildungswege ermöglichen, andererseits aber auch dazu führen, dass viele mit der Entscheidung für eine gewisse Schule überfordert sind. Ein weiteres Problem in der bisherigen Entwicklung von Konzepten der Gemeinschaftsschulen sei vor allem, dass lernschwächere Schüler von gemischten Gruppen profitieren, da diese sich in heterogenen Gruppen mehr Anregung verschaffen könnten. Für lernstarke Schüler, die vor allem in gymnasialen Systemen anzutreffen sind, seien- so der Forschungsstand- eher homogene Gruppen von Vorteil. Auch geben mehrere Forschungserbnisse zu bedenken, dass gerade lernschwache Schüler mit einem Konzept völlig freier und offener Lernformen nicht zurechtkommen würden. Zu der Frage, was eine gute Schule und hochwertigen Unterricht ausmache, äußerte sich Professor Bohl wie folgt: Einer der wichtigsten Punkte für eine „gute Schule“ sei die Tatsache, dass eine Schulgemeinschaft eine gemeinsame Vision besitze. Dies beginne bereits im Kleinen damit, dass alle Lehrer im Falle eines Regelverstoßes eines Schülers einen gemeinsamen Konsens finden sollten, was die Konsequenzen anbelangt. Extrem wichtig sei des Weiteren, dass die Lehrkräfte Professionalität im pädagogischen sowie im fachspezifischen Bereich vorweisen könnten und die Schulleitung stabil über mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte das Schulleben präge.

Carolin Lange